Kite Buyers Guide - Finde den richtigen Kite für dich!

KITE BUYERS GUIDE 

Finde den richtigen Kite für dich!

Der Kite-Markt bietet uns ein riesiges Angebot an Produkten. Da ist es, gerade für Einsteiger, schwer die Übersicht zu behalten und könnte unter Umständen auch ein bisschen abschrecken. Um die richtige Ausrüstung zu finden, solltest du entweder intensiv div. Modelle ausprobieren oder dich durch den Fora- und Testberichte Dschungel im Internet kämpfen. Die wichtigsten Fragen die du dir zu Beginn stellen solltest sind:

  • Passt der Kite zu meinem Fahrstil?
  • Bringt mich der Kite dahin, wo ich hin möchte? (Lernziele)
  • Kommt der Kite mit den Bedingungen an meinen Homespot klar?
  • Ist es ein qualitativ hochwertiges Produkt?

Damit ihr bei den ganzen Kauderwelsch und Fachgesimpel über Material und Flugeigenschaften den Durchblick behält, beschäftigen wir uns mal mit dem "Wieso", im Sinne von "Wieso kann ich mit dem Kite hoch springen", oder "Wieso kann ich den Kite bei wenig Wind fliegen und andere nicht?"

Zu Beginn kategorisieren Testberichte die vorgestellten Kites mal in ein bestimmtes Genre ein. "Das ist lt. Hersteller der optimale Anfänger Kite" , oder "Dieser Kite ist eine Leichtwind Waffe". Um herauszufinden, ob diese wagemutigen Behauptungen dem Kite jetzt gerecht werden, wird er in seine Einzelteile zerlegt. Zu Beginn der meisten Testberichte befasst man sich mit dem Haupt-geometrieparameter am Kite, der so genannte Shape

Shape & Struts

Prinzipiell bezieht sich der Shape auf:

  1. Die Kurvenkappe des Kites (Ansicht von vorne)
  2. Das Profil (Querschnitt durch den Flügel in Flugrichtung)
  3. Das aspect ratio AR (das Verhältnis Spannweite des ausgelegten Kites zur durchschnittlichen Tiefe). 

Anhand des sogenannten “Gerüst” (Fronttube = Anströmkante & Struts = mit der Fronttube verbundene Querstreben) erahnt man auch schon ob z.B. am Gewicht gespart - (Mono-Strut, oder Strutless Kite - bei wenig Wind) oder mehr Wert auf Stabilität im Starkwind Bereich gelegt wurde (3-5 Strut Kites). Die ursprünglichen Shapes sind C, Bow & Delta, wobei nur noch der C - Kite in seiner ursprünglichen Form existiert. Bei den Bow & Delta Shapes steckt meistens noch etwas C - Shape oder eine Mischung aus den anderen beiden.

Tube- oder Soft Kite

Tubekites sind die wohl gängigsten Kites. Die Fronttube, also die Anströmkante, besteht aus einem langen, gebogenen, aufblasbaren Schlauch. Zusammen mit den Struts bilden sie das Gerüst des Kites. Softkites sind all jene Kites, die wir nicht aufpumpen müssen, um sie zu fliegen. Dies können entweder aus offenen Kammern (Open Cell - z.B. Trainerkites), geschlossenen Kammern (Closed Cell - wassertaugliche Softkites z.B. Flysurfer Soul), oder aus nur einem Tuch (Single Skin Konzepte) bestehen. Es gibt auch Hybride Mixe zwischen den verschiedenen Shapes der Softkites - FLYSURFER HYBRID Softkites haben im Low End eindeutig die Nase vorne. Ihr Eigengewicht ist im Gegensatz zu den Tubekites sehr gering. Jedoch sorgen Tubekites für Stabilität bei stärkerem Wind und direktere Kraftentfaltung bei weniger Wind. Außerdem sind Tubekites in Notsituationen eine gute Schwimmhilfe nach dem Self Rescue!

Low End vs. High End

Ganz vereinfacht: Das Low End ist die Fähigkeit des Kites, Zugkraft bei wenig Wind zu erzeugen. Das High End hingegen ist die Fähigkeit des Kites, wenig Zugkraft bei viel Wind zu erzeugen. Also klar zwei entgegengesetzte Eigenschaften. Fast jeder möchte natürlich beides haben, jedoch kann ein Kite Designer z.B. das Low End nicht verbessern, ohne das High End zu verschlechtern. 

 

Single, Double, Triple, Quadtex Ripstop, was ist das und welches ist besser?

Ripstop ist ein sehr reißfestes Material. Dabei wird ein Faden, meist aus Polyamid - Nylon, in ein ansonsten sehr dünnes Tuch linear integriert. Grundsätzlich kann man sagen, je dichter der Ripstop, umso höher die Weiterreißfestigkeit und das Eigengewicht des Kites. Jedoch ist die Qualität des Materials und dessen Verarbeitung immer der wichtigste Faktor, ob ein Kite nach vielen Flugstunden immer noch gut fliegt und reißfest bleibt oder schnell das Zeitliche segnet.

 

Dilab, Aluula, Hookipa & Co - teurer SchnickSchnack oder geniale Innovation?

Sehr teuer, jedoch super leicht und maximale Steifigkeit im Tuch. Das ist der Marketing Leitsatz der Anfang 2020er Kites. Ob der Preis jetzt wirklich berechtigt ist und der Hersteller hält, was sie versprechen, wird sich am Ende dieses Jahrzehnts erweisen. Mittlerweile sind Kites dieser Art schon einige Zeit im Umlauf und es gab auch schon die ersten Hindernisse. Z.B. sind diese Kites nicht einfach zu reparieren nach einem entstandenen Schaden. Des Weiteren sind sie leider nicht so langlebig. Wo das Ganze hinführt, wird sich zeigen.

Brainchild Kites als Game Changer?

Die Brainchild Kites zeichnen sich durch ihre fortschrittliche Herstellungstechnologie aus, die den Einsatz moderner Materialien und innovativer Fertigungstechniken umfasst. Besonders hervorzuheben ist der verstärkte Einsatz von High-Tech-Textilien, die den Kite leichter und gleichzeitig robuster machen. Die Doppelnähte und der optimierte Einsatz von reinem Polyester sorgen für eine hohe Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Abrieb. Zudem kommen bei der Herstellung speziell entwickelte Luftkammern und hochpräzise Nähtechniken zum Einsatz, um die Aerodynamik und Stabilität des Kites weiter zu verbessern. Diese Produktionsmethoden tragen dazu bei, dass Brainchild Kites sowohl leistungsstark als auch langlebig sind.

 

Was ist Dacron, und was sind Dacron Bereiche am Kite?

Dacron ist der Markenname für eine Faser aus Polyester Polyethylenterephthalat (PET), das ihr wahrscheinlich von Plastik-Einwegflaschen kennt. Die meisten Hersteller verarbeiten es da, wo es auf Steifigkeit und Stabilität ankommt, z.B. Fronttube oder Flügelenden, also da wo der Kite eine hohe Belastung hat.

 

Anti-Flatter Verstärkung

So wird das Material bezeichnet, welches ein Flattern an der Abströmkante verhindern oder minimieren soll. Dies können eingenähte Kunststofflatten (Battens, Segellatten), doppelt oder dreifach vernähte Tücher oder ganze Dacron Flächen sein. Hauptsache es minimiert das Flattern des Tuches an der Abströmkante am Druckpunkt und bei vorgeschobener Bar. 

 

Notwendiges Übel - Schutzpads / Aufschlagflächen an der Fronttube

Unansehnlich, aber nützlich. Aus nachhaltiger Sicht lohnt es sich immer, einen Blick auf die Verarbeitung und Materialwahl der Schutzpads zu werfen. Sie sollten nicht größer als notwendig - und so flach wie möglich - vernäht sein, um nicht unnötig den Luftwiderstand zu erhöhen.


Bridles und Pulleys

Bridles oder auch Waageleinen sind bei Tubekites an der Fronttube und bei Softkites über die ganze Fläche verteilt. Besonders oft bei aktuellen Tubekites gibt es adjustierbare Frontline Bridle Systeme, bei denen man zwischen verschiedenen Eigenschaften für diverse Disziplinen wählen kann. Pulleys oder Slider sind Rollen, die zur Umlenkung in den Bridles dienen. Beides in Kombination gibt dem Kite eine "gute Depower", das bedeutet, dass mein Kite auch wirklich Druck verliert beim Vorschieben der Bar. Pulleys sind außerdem des Kite Designers Problemlöser Nr. 1. Findet keine optimale Kraftverteilung im Kite statt, richten sich die Pulleys nach der Zugkraft und stabilisieren das Flugverhalten. Ein Kontrapunkt ist jedoch, dass man durch Pulleys ein eher "indirektes" Lenkgefühl bekommt. Die Alternative sind sogenannte “Fixed Bridles”. Da keine zusätzliche Kraftübertragung durch einen Pulley stattfindet, kann man den Kite besser spüren. Außerdem wird der Kite direkter im Lenkverhalten, bekommt aber dadurch eine “schlechtere Depower”.  Mittlerweile gibt es auch schon Kombinationen aus Fixed Bridles und Pulleys in ein und demselben Waageleinen System (z.B. Airush Lift V3).

 

Alle diese Materialien und Bauarten von Kites haben natürlich Einfluss auf das Flugverhalten. Um wirklich zu verstehen, was für Auswirkungen das Material und der Shape auf die Eigenschaften hat, sollte man sich mit dem Windfenster bestens auskennen. 

 

Statisches Windfenster Vs. Das sich drehende "dynamische" Windfenster

Als statisches Windfenster wird der Flugzustand des Kites bezeichnet, indem sich der Pilot an einem fixen Punkt (ohne Fortbewegung) befindet. Die Anströmgeschwindigkeit im Kite ist dabei gleich schnell wie die Windgeschwindigkeit. Was man dabei gut beobachten kann ist, dass der Kite, aufgrund seines Luftwiderstands nie wirklich den Zenit erreicht - im Gegenteil: Bei Leichtwind Frequenzen “stallt” der Kite sogar “rückwärts” tiefer ins Windfenster hinein. Der Grund dafür ist die Verschiebung des Windfensterrandes von Luv nach Lee bei böigem Wind. Bewegt man sich dann mit dem Kite, setzt sich die Anströmgeschwindigkeit im Kite aus der Fahrt – und Windgeschwindigkeit zusammen. Hier spricht man vom sogenannten "scheinbaren Wind". Das ist der Moment, in dem sich das Windfenster beginnt “zu drehen”. Der Kite kann somit über den statischen Windfensterrand hinaus fliegen. Genau das wird auch vielen unerfahrenen Kitern, z.B. beim Lernen der Straßenbahnwende (sliding transition), zum Verhängnis. Wenn die Wende mit zu viel Geschwindigkeit angefahren wird, hat der Kite zu wenig Zeit, um sich vom drehenden - zurück ins statische Windfenster zu positionieren, somit befindet sich der Kite oftmals außerhalb des Windfensters. Die Strömung reißt ab , Kite kollabiert = Frontstall.

Hier sind einige Eigenschaften und Features die aus den verschiedenen Materialien und Bauarten resultieren:

Kite Position im Windfenster

Verschiedene Kite Modelle haben unterschiedliche Positionen im Windfenster während ein und demselben Flugzustand und Windbedingungen. Das bedeutet, dass zum Beispiel ein sehr "schmaler, gestreckter" Kite (Foil – oder Softkite) viel weiter an den Windfensterrand fliegt als ein 5 Strut C-Kite. Das hat großen Einfluss auf die "Gutmütigkeit" oder "Drifts" des Kites, sowie auf die Höhe Lauf-Eigenschaft" / "Am-Wind Leistung" und die Drehgeschwindigkeit (Drehradius) und etliche andere Faktoren.

 

Kitedrift:

Der Drift beschreibt die Fähigkeit des Kites trotz Leinen-slacks (Leinen hängen durch aufgrund von: Steuerfehler, Windloch, drehenden Wind, etc) fliegen zu können. Kites, die schlecht driften, kollabieren, wenn man sich z.B. mit zu hoher Geschwindigkeit Downwind auf sie zubewegt.

 

Was bedeutet gute Höhe Lauf-Eigenschaften / Am-Wind-Leistung?

Höhe laufen funktioniert wenn: A dem durch den Wind im Kite erzeugten Vortrieb, Widerstand durch das Board geboten wird (Lateral - / Querkräfte) und B man durch Drehung der Hüfte und des Oberkörpers die Boardnase in Fahrtrichtung in einen effizienten Winkel gegen den Wind ausrichtet. Durch den Einsatz der Boardkante, fliegt bzw. zieht man den Kite noch weiter an den Windfensterrand. Je weiter mein Kite grundsätzlich an den Windfensterrand fliegt, desto steiler wird mein Am-Wind-Kurs, sprich um so effizienter gewinne ich Höhe. Kites, die generell schon weiter an den Windfensterrand fliegen (hohes AR), haben dadurch natürlich eine bessere Am-Wind-Leistung als Kites mit einem größeren Luftwiderstand und niedrigeren AR, da diese tiefer im Windfenster stehen und deswegen mehr nach Lee ziehen.

 

Der Kite "dreht schnell"

Kites drehen sich je nach Shape in einem engen oder weiten Radius. Das hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Kraftentfaltung. Ein eher "schneller" Kite (z.B. C-Kite) dreht schnell und beschleunigt aus der Drehung hinaus Richtung Windfensterrand. Dies ist eine eher kurze und direkte Kraftentfaltung. Ein eher "träger" Kite (z.B. Soft/Foil – Kite) entwickelt in der Drehung an sich nicht viel mehr Zugkraft als der Grundzug ohnehin schon hergibt. Kites mit hohen AR können  weiter an den Windfensterrand fliegen, also sprich mehr den Zenit erreichen als z.B. ein C-Kite. Also können sie im Flug aus der Powerzone mehr Distanz zurücklegen und haben dadurch mehr Zeit zu beschleunigen. Hier ist die richtige Taktik, den Kite tief in die Powerzone zu "stallen", um durch das Vorschieben der Bar den Kite Richtung Windfensterrand beschleunigen zu lassen. Das hat zwar gewaltige Power, die Reaktionszeit ist jedoch etwas langsamer im Gegensatz zu einem schnell drehenden “Runden - C - Förmigen Tubekite”. 

Hangtime

Hangtime oder auch Airtime genannt ist die gemessene Zeit nach einem Absprung bis zur Landung. Also die Gleitflug Dauer beim Springen. Kites mit einer hohen Aspect Ratio (AR) haben zwar mehr Hangtime, aber wenig Lift.

Lift

Der Lift ist im Idealfall eine nahezu vertikale Fluglinie nach dem Absprung bis zum höchsten Punkt. Je schneller mein Kite, umso besser der Lift, jedoch umso schlechter die Hangtime. Jedoch ist einzig und alleine deine Absprungtechnik (Pop) entscheidend für den Lift und die daraus resultierende Fluglinie.



Der Bardruck und seine Verwendung

Unter Bardruck versteht man die über deine Arme spürbaren Kräfte, die auf deiner Bar einwirken, wenn man A den Kite in einen bestimmten Anstellwinkel hält, oder B den Kite dreht (lenkt). Wenig Bardruck = wenig Kraftaufwand, Viel Bardruck = viel Kraftaufwand. Mit verschiedenen Befestigungspunkten an den Tips lässt sich der Bardruck ändern. Unwichtig sind diese Kräfte an der Bar nicht, sie geben dem/der Kiter/in eine Rückmeldung, was der Kite gerade so tut. Dies könnte das "Blinde Fliegen" für Einsteiger und Aufsteiger erleichtern.



Y oder V in den Frontlines

Manche Hersteller entscheiden sich, all ihre Kites und dazugehörigen Bars standardmäßig mit einem Y in den Frontleinen auszustatten. Das bedeutet, im Gegensatz zum V in den Frontleinen, verteilen sich die Leinen erst ab einer gewissen Länge. Ein Y hat definitiv einen Vorteil bei Anfängern und böigen, unbeständigen Winden. Da die Leinen weiter oben Richtung Kite gebündelt sind, sorgen sie im Falle eines Leinen "Slacks" für etwas Stabilität. Zumindest zögern sie einen Frontstall ein wenig hinaus. Dies ist aber oft mehr vom Shape des Kites abhängig als von der Beschaffenheit der Leinen. Bei manchen Modellen macht ein Y eigentlich wenig Sinn. Denn man hat doch 2 beachtliche technische Einbußen:

  • der Kreuzgriff beim Relaunch funktioniert immer nur an einen Windfensterrand
  • Leinen Invertierungen sind schwieriger zu lösen

Ein Y in den Frontlines kann bei vielen Shapes als Anfänger und Aufsteiger sehr hilfreich sein! Doch hat man erstmal ein gewisses Level beim Kiten erreicht, ist es kein Problem mehr, den Druckpunkt ständig zu halten und das Y wird, bis auf den essentiellen Einsatz in der Wave Disziplin, relativ unnötig. 

 

Fazit:
Viel von dem Know How über Kites lässt sich in die Praxis adaptieren. Das Verständnis dafür, wieso gewisse Kites, gewisse Dinge besser oder schlechter tun als andere, verleiht dir mehr Verständnis und Selbstbewusstsein beim Kiten und somit auch mehr Sicherheit. Man fängt an, sein Material intuitiver zu fliegen, somit steht dir die Tür zu komplizierten Bewegungsabläufen beim Erlernen neuer Tricks offen. Außerdem lässt es dich stets deine eigene Meinung über den Material Markt bewahren. Man muss sich nicht immer das teuerste oder das was alle fliegen zulegen. Sei immer offen für Neues und teste so viel du kannst! Man kann erst behaupten, dass etwas das Beste oder schlechteste ist, wenn man selbst alles probiert hat!